Stammtisch-Ausflug in das Silberbergwerk Schwaz

Die Minen von Moria

Schwaz, 2. Oktober 2010
Kurzbericht von Ankantoiel

Am 2. Oktober 2010 konnten wir unseren zweiten Tolkien Ausflug in die „Minen von Moria“ – das Schwazer Silberbergwerk – durchführen. Dabei haben wir sehr viel Interessantes aus der Vergangenheit unseres Landes erfahren, und saßen anschließend bei einer leckeren Hobbitschlemmerei zusammen und lauschten den traumhaften Klänger von Norbert’s Harfe.

Der Schwazer Silberrausch

Tirol ist seit dem Mittelalter bekannt für seinen Bergbau. So entdeckte man in Schwaz eines der ertragreichsten Silbervorkommen in Europe. Zu Zeiten Siegmund des Münzreichen und Kaiser Maximilian waren in Schwaz bis zu 12.000 Knappen im Einsatz, um das kostbare Fahlerz – eine Gestein mit einem großen Anteil an Kupfer und Silber – in mühevollster Arbeit dem Berg zu entlocken. Die Arbeit der Knappen war ungemein gefährlich und schwer. Grubeneinstürze, einströmendes Wasser, und die giftigen Dämpfe der eigenen Lampen führten zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung von gerade mal 35 Jahren. Auch Kinderarbeit war kein Fremdwort, denn besonders Kinder eigneten sich durch ihren kleinen Körperbau besonders gut, um bestimmte Aufgaben zu vollbringen.

Der Silberrausch in Tirol lockte auch bald diverse reiche Bankiers- und Handelsfamilien an, unter ihnen auch die Familie Fugger aus Augsburg, die durch ihren Geldhandel den verschwenderischen Lebensstil der Tiroler Landesfürsten mitfinanzierten und so auch in den Besitz von Abbaurechten in Schwaz kamen. Zu dieser Zeit wurden in den Schwazer Minen 70% des gesamten Silberbedarfs Europas gefördert.

Die Schattenseiten dieses Silberreichtums zeigte sich durch den raschen Zuzug in die Schwazer Region. Das ehemalige Dorf Schwaz wurde bald zur zweit größten Stadt in Österreich (nur Wien war größer), die Preise für Grundnahrungsmittel stieg immens an, Armut war an jeder Ecke zu sehen. Knappen bildeten zu dieser Zeit einen eigenen Stand. Sie hatten ein Vorverkaufsrecht am Markt, bildeten erste Vorreiter der heutigen Gesellschaften, um für ihre Rechte zu kämpfen, und zahlten monatlich einen Kreuzer für das Bruderhaus ein, einer Einrichtung, die sich um verletzte und arbeitsunfähige Knappen kümmerte.

Der Reichtum, der durch den Kupfer- und Silberabbau entstand, trug wesentlich dazu bei, dass Kaiser Maximilian bei der Familie Löffler in Innsbruck seine Kanonen entwickeln und bauen lassen konnte, und somit seinen Kriegen eine neue Wende geben konnte. Ganz Europa wurde durch das Schwazer Erz direkt und indirekt beeinflusst.

Galerie

top