Festival in the Shire 2010

13.-15. August 2010,
Pontrhydfendigaid, Wales, UK

Das Festival in the Shire ist ein Tolkien Event, das verschiedene Aspekte dieses riesigen Fandoms mit einander verbinden, und so ein einzigartiges Erlebnis für jeden Fan sein möchte. So findet man neben interessanten Vorträgen ein ganzes Programm mit Kunst und Musik für alle Fans, die sich weniger stark mit dem literarischen Werk des britischen Autors auseinandersetzen.

Das Festival fand dieses Jahr zum ersten Mal statt und wir – Saerwen, Rowanfair und Ankantoiel – waren vor Ort, um uns selbst eine Meinung darüber zu bilden. Die Erwartungen waren wegen dieser „Premiere“ sehr gemischt. Doch hört nun selbst, wie es uns ergangen ist…

Day I: The Quest begins…

Eigentlich müsste dies als Day 0 betitelt werden, denn wir reisten bereits am Donnerstag, 12. August, an. Noch vor der Dämmerung, um 5 Uhr morgens, brachen wir gemeinsam von Innsbruck aus Richtung München auf. Nach einem teils recht turbulenten Flug landeten wir pünktlich in Manchester, UK, nahmen unseren Mietwagen entgegen und fuhren nach Süd-Westen in das schöne Wales.
Die Fahrt führte uns durch die unterschiedlichsten Landschaften, die uns natürlich stark an Mittelerde und die Szenerie aus den Filmen erinnerten, bis nach Pontrhydfendigaid – den kleinen, verschlafenen Veranstaltungsort des Festivals – wo wir im Black Lion von Dominic eine reizende Unterkunft fanden.

Da wir uns eines knapp bemessenen Programms in den nächsten Tagen sicher waren, benutzten wir die übrige Zeit an diesem Donnerstag einen kurzen Abstecher ans Meer zu unternehmen. Aberystwyth liegt ca. 20 Minuten Fahrt von unseren Ort entfernt an der Walisischen Westküste, und war selbst eine kleine Stadt, die eindeutig schon bessere Zeiten erlebt hatte. Wie viele Orte durch die wir bereits gekommen sind, so waren auch dort viele Häuser verlassen und in schlechtem Zustand. Man konnte eindeutig merken, dass dieser Ort inzwischen hauptsächlich im Sommer von Touristen besucht wurde.

Das Wetter war nicht gerade einladend, es ging stetig ein frischer Wind und alles war grau in grau, was uns spontan dazu verleitete diesen Ort als die Grauen Anfurten zu bezeichnen. Wir hatten aber trotzdem unseren Spaß, machte viele Fotos vom Meer und genossen die Bree-Küche (für Unromantische auch als Indisches Essen bekannt 😉 ). Nach unserer Rückfahrt schlug wir uns die Mägen mit leckeren Desserts in der gemütlichen Gaststube unseres Hotels voll und zogen uns schließlich nach diesem langen Tag in unser schnuckeliges Zimmer zurück.

Day II: Welcome to Middle-earth

Nach einem ausgiebigem Englischen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Festival-Gelände, wo wir uns gleich einleben konnten und dem ersten Vortrag von Tom Shippey über Tolkiens Welsh Library lauschten. Wie nicht anders zu erwarten war die Qualität dieses Vortrages sehr hoch, nichtsdestotrotz schaffte es der wohl bekannteste Tolkienexperte auch uns mehr oder weniger Unwissende mit seiner Vortragsweise zu begeistern. Er wusste genau auf welchen Punkt er hin wollte und seine Diskurse bildeten eine ganz eigene Ansichtsweise auf das Thema. Auch toll fanden wir die Fanfiction-Diskussion mit Sara Brown, die übrigens im selben Hotel wie wir nächtigte.

Der restliche Tag war geprägt von offiziellen wie inoffiziellen Foto-Shootings ;), Vorträgen und Musik. Es waren nur wenige Leute am Gelände und da ist es wohl nicht verwunderlich, dass wir in unseren Elben-Gewandungen besonders aufgefallen sind. Das führte dann auch dazu, dass uns bald jeder am Festival kannte und wir in der Western Mail abgebildet wurden.

Besonders in Erinnerung geblieben von diesem Tag sind uns „The Story of Beren and Luthien“ von Robin LaTrobe und die Harfenklänge von Harriet Earis, die mit solcher Begeisterung bei ihrer Sache war, dass sie sogar den müdesten Hobbit mitreißen konnte. Am Abend lauschten wir nach einem leckeren Hobbit-Abendmahl im Black Lion den wunderschönen Klängen von Brocc, die mit ihren unzähligen Musikinstrumenten (darunter Dudelsack, Flöte, Harfe, Mandoline, Gitarre, diverse Trommeln und eine Drehleiher) einzigartige Melodien hervorzauberten.

Day III: The Journey continues…

Noch vor dem ersten Vortrag machten wir – natürlich in Gewandung – einen kurzen Abstecher zur Abbey Strata Florida, die nur eine Meile außerhalb des Ortes Pontrhydfendigaid lag. Aber wie ja jeder weiß, ist eine Meile ungleich einer Meile ungleich eines Kilometers, und nachdem wir bereits 20 Minuten gewandert waren, waren wir uns nicht mehr so sicher, wie weit es noch war. Doch wie es der Zufall wollte, nahmen uns die zwei Festival-Besucher Sarah und Aeron, die sich verfahren hatten, das letzte Stück, das vielleicht noch 5 Gehminuten waren, mit zur Abbey. Die beiden warteten sogar auf uns, während wir Fotos von dem alten Gemäuer der Abbey machten, und gemeinsam fuhren wir zum Festival-Gelände.

Der Samstag hatte wieder ein dicht gedrängtes Programm. Wir sahen unter anderem Mr. Proudfoot Peter Kenny , seines Zeichens Self-made Entertainer und Besitzer einer riesigen Tolkiensammlung, der extra aus Australien angereist war, und mit dem wir viel Spaß hatten. Wir nahmen auch an einem Tolkien Trivia-Quiz teil und scheiterten schließlich nur am „Amon Hen“, aber Ankantoiel machte das mit dem Gewinn der The Two Towers-DVD wieder gut.

Besonders toll fanden wir an diesem Tag Sara Browns Vortrag „Stirring the Alembic: Alchemical Resonances in the Lord of the Rings“ und unseren Chat mit Künstler Steven Walsh, der unter anderem die U.S.-amerikanische Version von Siedler von Catan und die alten (pre-Film) LotR Trading Cards illustrierte. Sein wunderschönes Bild „The Healing of Nimrodel“, das die Heilung Frodos durch das klare Wasser der Nimrodel von den bedrückenden Erlebnissen in Moria zeigt, ließ Rowanfair nicht mehr los, und so kaufte sie es prompt.

Wir verbrachten einen tollen Abend und tanzten zu den Klängen von Brocc, die auch an diesem Samstag ein tolles Konzert gaben. Die Leute waren begeistert und viele wagten ein Tänzchen. Der Song „Call of the Wild Woods“ wurde zu unserem Waldelbenlied erwählt und es war toll sich zu dessen ätherischen Klängen im Takt zu bewegen.

Day IV: The End is near

Der letzte Tag des Festivals stand bevor, jedoch würde er für uns nur ein kurzer werden, da wir bereits gegen Mittag wieder aufbrechen mussten. So waren die letzten Stunden von einem wehmütigen Gefühl begleitet, als wir uns die Falls of the Devil’s Bridge – ca. 20 Minuten Autofahrt vom Festival entfernt – ansahen. Es war erstaunlich wie unterschiedlich die Landschaften in Wales waren und in diesem Tal mit seinem Wasserfall fanden wir sofort Bruchtal wieder.

Nachdem frühmorgendlichen Ausflug kehrten wir für unseren letzten Vortrag zum Festival zurück. Corey Olsen, der Tolkien Professor, sprach in seinem beeindruckenden Vortrag von Hope and Dispair in the Lord of the Rings. Seine offene, teils humorvolle Vortragsweise und seine Ansichten begeisterten nicht nur uns, sondern auch Tolkien-Größen wie Tom Shippey und Verlyn Flieger.

Es tat uns richtig weh jetzt schon das Festival verlassen zu müssen, da wir viele Bekanntschaften geschlossen hatten, aber unser Flieger ging bereits um 17 Uhr Richtung Heimat und eine dreistündige Fahrt zurück nach Manchester stand uns bevor.

Fazit

Wir hatten viel Spaß auf dem Festival in the Shire, haben viele Freundschaften geschlossen und waren froh, dass wir VIP Pässe hatten, da uns dies erlaubte anzusehen, was wir wollten und nicht nur auf einen Teil des Festivals beschränkt waren. Auch wenn dieses Wochenende kein billiges Vergnügen war, so hat es sich für uns gelohnt. Es war allerdings schade, dass nur so wenige Leute – laut Aussagen der Organisatoren ca. 700 Personen – nach Pontrhydfendigaid gefunden hatten. Es gäbe sicherlich vieles zu verbessern um zukünftige Festivals erfolgreicher und massentauglicher zu machen. Wir drücken den Veranstaltern die Daumen, dass sie die Vorschläge der Besucher umsetzen können und aus dem Festival ein fest etabliertes Tolkien-Event wird.

Ankantoiel

Fotos und Bericht aus der Western Mail


Copyright Dimitris Legakis, Athena Picture Agency

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